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Begehrte Werte
Als Donald Trump zum Amtseintritt vor gut einem Jahr vom „Golden Age“ für Amerika sprach, hat er das wohl nicht kommen sehen: Der Goldpreis hat sich seit dem quasi verdoppelt! Das Edelmetall eilt von Rekord zu Rekord – und das liegt nicht (nur) an der hohen Nachfrage für güldene Dekoration im Oval Office oder beim neuen Ballsaal. Gold wird als Wertaufbewahrungsmittel (und zunehmend Spekulationsobjekt) für unsichere Zeiten immer wichtiger. Heute Vormittag wurden erstmals 5.300 USD für die Feinunze erreicht. Das ist ein Plus von 11 Prozent binnen einer Woche. Die Marke von 4.000 fiel Anfang Oktober; die 3.000 wurden erst im letzten März überschritten. Das zähe Ringen um die 2.000 USD-Marke dauerte hingegen von August 2020 bis März 2024. Noch steiler steigt gerade Silber mit einem Verdoppler innerhalb der letzten zwei Monate und auch andere Edelmetalle ziehen mit. Glücklich, wer bereits Bestände hält. Doch wer jetzt erst einsteigt ist ein Spekulant.
Was im Rekordrausch gern übersehen wird: Der Anstieg beim Gold geht einher mit einer Schwäche des US-Dollars. Der EUR/USD-Wechselkurs übersteigt gerade die Marke von 1,20 – ein Problem für die Exportnation Deutschland. Ziemlich genau vor einem Jahr war man bei 1,02 der Parität nahe. Die Staatsschulden der USA liegen inzwischen bei 38,5 Billionen USD und sind allein im letzten halben Jahr um mehr als 6 Prozent gestiegen. Kein Wunder, dass die Bonität und Zinsbelastung für den US-Haushalt die Achillesverse der Trump’schen Handelspolitik ist. Das hatte bereits beim Aussetzen der Zoll-Keule nach dem Liberation Day im letzten April und mutmaßlich beim jüngsten Einlenken in der Grönland-Frage geholfen. Der politische Druck auf die US-Notenbank war zuletzt erfolgreich, auch wenn im Markt für heute Abend keine Zinssenkung erwartet wird.
Übrigens verfügt die Deutsche Bundesbank mit 3.350 Tonnen über die zweitgrößten Goldreserven. Das sind mehr als 40 Gramm pro Einwohner zu einem aktuellen Wert von rund 6.000 Euro. Doch anders als bei manchen börsengehandelten Gold-ETCs besteht hier kein Anspruch auf physische Auslieferung.


Newsletter vom 28. Januar 2026
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf
