Unemotionale Kapitalanlage in bewegten Zeiten

Der Irankonflikt und Folgen – insbesondere hohe Rohölpreise, steigende Inflation sowie sinkende Wachstumserwartungen – sind seit Anfang März die medial überlagernden Themen. In dieser Gemengelage erscheinen Risiken für viele Anleger enorm und völlig unkalkulierbar. Renditechancen rücken in den Hintergrund. Der Wunsch nach dem Erhalt des angelegten Kapitals nimmt Überhand.
Für manche ist ein vielleicht naheliegender Gedanke, alle bestehende Anlagen zu liquidieren und mit einem größeren Bestand an Liquidität eine Beruhigung der aufgeheizten Lage abzuwarten. Allerdings bewegen wir uns schon seit Jahren in einem besonders dynamischen und unsicheren Umfeld. Geopolitisch, wirtschaftlich und teilweise gesellschaftlich befinden wir uns in einer Umbruchphase, in der viele Gewissheiten der vergangenen Jahrzehnte infrage gestellt werden. Relevante Aspekte in diesem Kontext sind der Klimawandel, geopolitische Krisen mit Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Europa, demografische Entwicklungen, die zunehmende Konkurrenz Chinas an den Weltmärkten, immer wieder auftretende Unterbrechungen globaler Lieferketten und mehr.
Gerade diese, durch vielfältige Krisen geprägten Zeiten bergen aber auch enorme Chancen. Nur wenn es ungemütlich wird, steigt die Veränderungsbereitschaft und es besteht ein erhöhter Anreiz für Reformen und Innovationen. So nehmen Staaten gerade sehr viel Geld in die Hand, um ihre Resilienz durch Investitionen in Infrastruktur, Verteidigungsfähigkeit und Energiesicherheit zu erhöhen. Unternehmen bauen Lieferketten um und versuchen durch den Einsatz neuester Technologien den Auswirkungen des absehbaren Arbeitskräftemangels zu begegnen und Kosten zu senken. Große Kapitalsammelstellen und Notenbanken sind dabei, ihr traditionell sehr hohes Gewicht an auf US-Dollar basierten Anlagen zu diversifizieren, wovon andere Währungen und Edelmetalle grundsätzlich profitieren könnten. Man könnte diese Liste noch fortsetzen…
Anleger sollten sich daher einen konstruktiven, möglichst wenig emotional überlagerten Blick bewahren. Wer abwartet, bis die Lage sich beruhigt hat, wird Renditechancen verpassen. Es braucht eine durchdachte Anlagestrategie mit ausreichender Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und innerhalb einzelner Segmente sowie die Gewissheit eines längeren Anlagehorizonts, um Panikreaktionen – also Verkäufe nach Kurseinbrüchen oder Käufe bei stark steigenden Kursen und in der Annahme, es sei die letzte Gelegenheit – zu vermeiden.

Newsletter vom 27. Mai 2026
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel
Zum Newsletter anmelden