Trotz Krise legen US-Indizes deutlich zu

Die Märkte haben offenbar ihre eigene Logik mit Krisen umzugehen. Trotz ungelöstem Nahostkonflikt markieren die führenden US-Aktienindizes neue historische Höchststände. Der Nasdaq100 legte seit Ende März um 18 Prozent zu, der S&P500 um rund 13 und der Dow Jones um 9 Prozent. Getrieben wird diese Hausse von Technologiewerten, an der Spitze Intel mit einem Monatsplus von 96 Prozent. Da kann der europäische bzw. der deutsche Aktienmarkt nicht mithalten, der DAX und EuroStoxx50 kommen im gleichen Zeitraum auf ein Plus von 8 bzw. 6 Prozent. Seit Jahresanfang liegen die US-Aktienindizes einstellig im Plus, der DAX mit 2 Prozent im Minus.

Derweil ist die Stimmung in Europa und speziell in Deutschland auf einem vorläufigen Tiefpunkt angelangt. Angesichts des Krieges in Nahost und den Folgen für die Geldbeutel der Verbraucher sinkt die Kauflust in Deutschland immer weiter. Das Konsumklima ist der neuesten Studie der Institute NIM und GfK zufolge zuletzt erneut abgesackt. Die Einkommenserwartungen sind förmlich eingebrochen und erreichen den niedrigsten Wert seit Februar 2023. Wie nicht anders zu erwarten, ist auch der ifo-Geschäftsklimaindex im April auf 84,4 Punkte gesunken, nach 86,3 im März. Dies ist der niedrigste Wert seit Mai 2020.

Eine bescheidene Entlastung soll die ab dem 1. Mai geltende, für zwei Monate befristete Steuersenkung auf Benzin und Diesel von rund 17 Cent bringen. Steigende Rohölpreise wie in den vergangenen Tagen könnten diese Preissenkung allerdings schnell wieder zunichtemachen.
Seit gestern tagt routinemäßig die US-Notenbank FED mit Veröffentlichung des Zinsentscheids am heutigen Mittwoch um 20.00  Uhr (MEZ). Eine deutliche Mehrheit erwartet die unveränderte Verlängerung der Zinspause. Es wird zudem die letzte Sitzung unter der Leitung von Jerome Powell sein, sein Vorsitz und vermutlich auch seine Amtszeit enden im Mai. Die EZB tagt am Donnerstag und angesichts einer Inflationsrate von 2,6 Prozent im März ist nicht davon auszugehen, dass es zu einer Zinssenkung im Euroraum kommt, eher stünde eine Anhebung zur Diskussion, was aber der Stimmung bei Konsumenten und Produzenten nicht zuträglich sein dürfte.

Warten auf „Godot“ ist das Motto der Stunde – wollen wir hoffen, dass er als Friedensengel doch irgendwann erscheint und die Grundlage für einen gesunden Aufschwung der Wirtschaft bringt!

Einen schönen 1. Mai – auch die deutschen Börsen haben Feiertag – wünscht Ihnen

Ihr Martin Braun, Börse Hannover

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Martin Braun, Börse Hannover