TikiTaka an der Börse, welchen Einfluss hat eigentlich die Fußball WM

Christoph Geyer

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Regierungen gerne während der Laufzeit eines bedeutenden Sportereignisses (Olympische Spiele oder Fußballturniere) meist unangenehme Entscheidungen treffen. Das Kalkül dahinter ist, dass die Bürger möglicherweise nicht viel davon mitbekommen und die Medien das jeweilige Thema nicht ganz so hochkochen, wie die laufenden Sportthemen. Dieses Vorgehen funktioniert aber nur sehr eingeschränkt.

Stellt sich also die Frage, kann ein solches Sportereignis einen anderen Einfluss auf die Börse haben? In unserer Chart-Show vom 9.6.2026 haben wir Aktiengesellschaften untersucht, die Ausstatter, Lieferanten von Nahrungsmitteln oder Sicherheitsaspekte rund um die WM darstellen. Einige dieser Aktien, wie zum Beispiel adidas, könnten kurzfristig durchaus vom WM-Hype profitieren. Andere große Werte wie Cisco oder Coca-Cola befinden sich ohnehin in langfristigen Aufwärtstrends. Das Bild bei den Einzelwerten als Profiteure ist eher gemischt.

Solche Mega-Events könnten aber auch einen Einfluss auf die Märkte im Allgemeinen haben. Sei es, dass die Marktteilnehmer mit den sportlichen Ereignissen zu sehr beschäftigt sind oder die Ergebnisse auf die Stimmung einiger Börsianer drückt. Kann dies aber wirklich einen Einfluss auf die Börsenentwicklung haben?
Ein Ansatz wäre, die saisonalen Effekte zu überprüfen, was bereits erfolgt ist. Hier sind zunächst einige Hürden zu überwinden. Die vergangenen Fußball-Weltmeisterschaften haben unterschiedliche Zeiträume umfasst, was insbesondere für die laufende WM gilt. Zudem fanden diese nicht immer zur gleichen Zeit im Jahr statt – dies insbesondere bei der letzten WM, die im Winter unserer Zeit abgehalten wurde.

Betrachtet man nun also das gesamte Jahr, in dem eine solche WM stattgefunden hat, sind keine signifikanten Auffälligkeiten zu finden. Zumindest nicht solche, die von denen der „normalen“ Zyklen deutlich abweichen würden.

Eine Verbindung von Mega-Event zur Börse abzuleiten ist also eher weit hergeholt und daher für die Analyse weniger brauchbar.

Somit bleibt wie so oft die klassische Technische Analyse zur Einschätzung der Märkte übrig. Da die Märkte derzeit von den kriegerischen Ergebnissen und damit den weltwirtschaftlichen Auswirkungen geprägt sind, sollte besonders auf signifikante Widerstände und Unterstützungen geachtet werden. Der DAX hatte zuletzt den erneuten Ausbruchsversuch nach oben nicht erfolgreich abschließen können. Vielmehr ist er in die alte Seitwärtsrange zurückgefallen, die bereits seit Mai letzten Jahres etabliert ist. Die Vorzeichen für die kommenden Wochen sind klar: Je länger die Unsicherheit anhält oder gar eine weitere Eskalation im Nahen Osten entsteht, um so eher wird der DAX wieder aus dieser Zone nach unten ausbrechen. Sollte sich eine Einigung in diesem Konflikt abzeichnen oder gar unter Dach und Fach kommen, ist mit einem schnellen Ausbruch nach oben zu rechnen.

Newsletter vom 17. Juni 2026

Christoph Geyer – stellv. Regionalmanager
VTAD Frankfurt

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Quelle: ProRealTime.com