Märkte trotzen Iran-Konflikt, Europa schwächelt

Trotz des anhaltenden Iran-Konflikts legten Schwellenlandanleihen eine Rallye hin. Lateinamerika bleibt von den Ereignissen im Mittleren Osten unberührt, und selbst stark vom Ölpreis abhängige Titel aus Asien zeigen sich überraschend widerstandsfähig. Die USA und Europa kämpfen dagegen mit anhaltender Unsicherheit und hoher Inflation. Doch während Anleger in den USA mit robusten Unternehmensgewinnen rechnen können, haben Europas Daten zur Industrieproduktion enttäuscht – vor allem in Deutschland.
Schwellenländer durch die Bank robust
Schwellenlandanleihen haben sich in letzter Zeit besonders gut entwickelt, wobei die Spreads den niedrigsten Stand des Jahres erreicht haben – trotz des Konflikts im Persischen Golf und der faktischen Schließung der Straße von Hormus. Grund für diese herausragende Performance sind sowohl die soliden Fundamentaldaten als auch das anhaltend starke Interesse von Anlegern weltweit. Lateinamerika – darunter auch Venezuela, dessen Öl nun wertvoller ist – führt die Rallye an, aber auch Titel aus dem Mittleren Osten bleiben überraschend robust. Und obwohl Asien am stärksten von den steigenden Ölpreisen betroffen ist, lassen sich auch hier engere Spreads beobachten.
USA und Europa geprägt durch Unsicherheit
Optimismus, dass eine Lösung für den Konflikt im Nahen Osten erreicht wird, drückte die Renditen in den Industrieländern kurzzeitig nach unten. Der vorherige Aufwärtstrend setzte sich danach jedoch fort, nachdem Präsident Trump die Antwort des Iran auf den US-Friedensvorschlag abgelehnt hatte. Laut Trump sei der Waffenstillstand in der Schwebe und für die Inflationsaussichten ist es entscheidend, ob der normale Betrieb in der Straße von Hormus wiederhergestellt wird.
Der US-Arbeitsmarkt ist laut jüngster Daten stärker als erwartet, was auf eine widerstandsfähige Wirtschaft hinweist. Zusammen mit robusten Unternehmensgewinnen und einem erhöhten Inflationsniveau hat dies die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Zinssenkung durch die Federal Reserve in den USA verringert.
Die Europäische Zentralbank muss derweil einen schwierigen Balanceakt meistern: Sie darf nicht verfrüht gegen die Inflation vorgehen, aber auch nicht zu lange warten. Die Inflation in der Eurozone bleibt mit 3,0 Prozent auf einem hohen Niveau, während sich der Nahostkonflikt negativ auf das Wachstum auswirkt. In Deutschland beispielsweise bleiben die Zahlen zur Industrieproduktion hinter den Erwartungen zurück. Bei europäischen Staatsanleihen gibt es auch weiterhin eine Spread-Konvergenz zwischen Kern- und Peripherieländern. Dennoch bleibt die Marktstimmung gegenüber Risikoanlagen optimistisch.

Newsletter vom 20. Mai 2026
Anthony Willis – Senior Economist
Columbia Threadneedle Investments
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