KI-Aktien im Korrekturmodus

Die Eskalation des Irankonflikts hat seit März für sinkende Wachstumserwartungen, steigende Inflation und höhere Zinsen gesorgt. Trotzdem haben sich viele Aktienindizes sehr positiv entwickelt, bis vor kurzem maßgeblich angetrieben durch das Investmentthema Künstliche Intelligenz (KI).
Einerseits sorgen die milliardenschweren Investitionen, der sogenannten „Hyperscaler“, also der US-Tech-Unternehmen, die ihre KI-Infrastruktur mit hohem Tempo ausbauen, um im Rennen um die leistungsfähigsten KI-Dienstleistungen ganz vorn dabei zu sein, für eine nennenswerte gesamtwirtschaftliche Nachfrage. In diesem Jahr werden allein von Microsoft, der Google-Mutter Alphabet, dem Facebook-Konzern Meta, Amazon und Oracle Investitionsausgaben von rund 750 Mrd. US-Dollar erwartet. Profiteure sind neben Produzenten von Halbleitern wie Nvidia auch klassische Industrien, wie Versorger, Anbieter von Technologie-Equipment, Rohstoffunternehmen oder Baudienstleister, die am Bau von Datencentern beteiligt sind. Um die hohen Investitionssummen zu finanzieren, mussten die Tech-Unternehmen ihre Finanzen neu strukturieren. Anstatt wie bisher Liquidität zu horten, hohe Dividenden auszuschütten und Aktien zurückzukaufen, wurden sowohl Aktien als auch Anleihen emittiert. Besonders aufsehenerregend war im Juni der Börsengang von SpaceX, dem auch in punkto KI ambitionierten Raumfahrtunternehmen von Elon Musk.
Zudem wird versucht, schon heute die Auswirkungen der Implementierung von KI in bestehende Geschäftsprozesse auch außerhalb des Tech-Sektors einzupreisen. Idealerweise entstehen dadurch Produktivitätsgewinne und damit höhere Outputs bei gleichem oder geringerem Einsatz von Kapital und Arbeit. Andererseits könnten heute erfolgreiche Geschäftsmodelle obsolet werden, ein Szenario, das schon seit 2025 für heftige Kursverluste im Segment der Softwareaktien gesorgt hat. Besondere Komplexität bei der Bewertung der KI-Potenziale liegt jedoch in der Natur dieser Technologie. Denn generative KI zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich selbst fortentwickelt. Man kann also heute kaum taxieren, wie stark deren Einfluss künftig sein wird. Entsprechend groß ist die Unsicherheit an den Börsen und hat neben rasanten Kursgewinnen auch immer wieder zu empfindlichen Kursverlusten bei einzelnen Aktien geführt.
KI dürfte auch in den kommenden Monaten ein wesentlicher Faktor für die Aktienkursentwicklungen bleiben. Dabei werden jedoch nicht alle hoch gesteckten Erwartungen erfüllt werden. Anleger müssen entsprechend differenzieren.

Newsletter vom 05. August 2026
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel
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