Der Irankrieg und seine Auswirkungen

Die unmittelbaren Folgen der Eskalation des Irankonflikts seit Anfang März waren steigende Rohöl- und damit Spritpreise, nachgebende Aktienkurse und höhere Renditen von Staatsanleihen. Mittlerweile sind jedoch auch weitergehende Auswirkungen erkennbar. So signalisierte das aktuelle ifo-Geschäftsklima abnehmende künftige Geschäftserwartungen bei vielen Unternehmen angesichts massiv gestiegener Energiekosten und Zinsbelastungen bei gleichzeitig höherer Unsicherheit für private Konsumenten und Investitionen. In Deutschland sind vor allem energieintensive Industrien, die Tourismusbranche sowie Logistik und die Bauwirtschaft betroffen. Die global ermittelten Einkaufsmanagerindizes von S&P Global hingegen ließen kurzfristig einen Anstieg der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe erkennen. Dieser dürfte allerdings wesentlich auf vorgezogene Orders aufgrund der Befürchtung anhaltender Lieferkettenunterbrechungen im Zuge der Sperrung der Straße von Hormus zurückzuführen sein. Je länger die Schiffspassage gestört bleibt, umso stärker werden Einschränkungen bei Öl und Gas, aber auch bei anderen Produkten spürbar. So könnten fehlende Düngemittel in den kommenden Monaten zu steigenden Nahrungsmittelpreisen führen.
Die schon heute absehbaren Wachstumseinbußen würden sich bei anhaltenden Lieferkettenproblemen ausweiten, vor allem in energieimportabhängigen Regionen wie Europa und Teilen Asiens. Parallel steigen die Verbraucherpreise stärker an. Spanien vermeldete für März eine Inflation in Höhe von 3,3 Prozent nach 2,3 Prozent im Februar. Auch in Deutschland und der Eurozone legten die März-Teuerungsraten deutlich zu. Ob die bisher zurückhaltenden Notenbanken darauf mit Leitzinsanhebungen reagieren werden, hängt von der Dauer des Angebotsschocks ab. Insbesondere wenn sich Zweitrundeneffekte andeuten, also infolge des energiepreisinduzierten Kostenanstiegs auch höhere Lohnforderungen und stärker steigende Absatzpreise für Endprodukte von Unternehmen verlangt werden, müsste die Geldpolitik restriktiver ausgestaltet werden.
Aber es gibt auch positive Nachrichten: Das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und den südamerikanischen Mercosur-Staaten tritt ab dem 1. Mai vorläufig in Kraft, obwohl die Zustimmung des Europäischen Parlaments noch aussteht. Offensichtlich erhöht der zunehmende geo- und handelspolitische Druck die Handlungsfähigkeit Europas, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr europäischer Eigenständigkeit.

Newsletter vom 01. April 2026
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel
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