Zwei Mäntel und ein echter Neuzugang
In der neuen Ausgabe 03/2026 des GoingPublic-Magazins blickt Oliver Vollbrecht auf die aktuellen Listingaktivitäten an der Börse Düsseldorf, insbesondere im allgemeinen Freiverkehr und dem Düsseldorfer Qualitätssegment Primärmarkt:
Nachdem die Börse Düsseldorf 2025 die Zahl der Neulistings von Aktien zum dritten Mal in Folge steigern konnte, spiegeln die Aktivitäten in diesem Jahr eher den aktuellen Pegelstand des Rheins wider. Während bei Anleihen und Zertifikaten das Neuemissionsgeschäft recht lebhaft verläuft, herrscht bei Aktien Flaute. Immerhin wurden zwei Mantelgesellschaften mit innovativen Geschäftsmodellen gefüllt und mit Davigo gewinnt die Börse einen echten Neuzugang, der nach Höherem strebt.
Der Primärmarkt, das Qualitätssegment der Börse Düsseldorf innerhalb des Freiverkehrs mit erhöhten Transparenzanforderungen, hat Zuwachs bekommen: Die EPH Group AG, aktiv im Bereich der Ferienhotellerie, kam im April 2026 hinzu. Die Erstnotiz erfolgte im November 2025 in Stuttgart. Zudem wurden zwei neue Mantelgesellschaften gelistet: Im Mai wurde die Notierung der Ilenius SE aufgenommen, im Juni kam die DN Vermögensverwaltung AG hinzu. Das Listing von Mänteln ohne operatives Geschäft, gewissermaßen „SPACs light“, ist eine Spezialität der Börse Düsseldorf. Sie erlaubt solche Listings mit der Maßgabe, dass die leeren Mäntel in den darauffolgenden zwei Jahren mit operativem Geschäft, typischerweise in Form einer Sachkapitalerhöhung, gefüllt werden. Auch den beiden Neuzugängen muss somit innerhalb von zwei Jahren operatives Leben eingehaucht werden.
Mantelgesellschaften mit jungen Unternehmen befüllt
Bei zwei Mantelgesellschaften wurde die „Befüllung“ in den vergangenen Monaten bereits vollzogen. In die Utranos SE wurde das Geschäft von CubeDoc eingebracht, die mit ihrem modularen Gesundheitswürfel Diagnostik vor Ort, KI-gestützte Analyse und eine telemedizinische Konsultation anbietet. Aktuell notiert die Aktie bei 1,20 EUR, was einer Marktkapitalisierung von stolzen 134 Mio. EUR entspricht. Auch der SPAC Fonterelli SPAC 4 wurde mit operativem Leben gefüllt, indem das operative Geschäft von Aqarios eingebracht wurde; die neue Firmierung lautet
Aqarios Quantum Technologies AG. Der Anbieter von Quantensoftware wurde als Spin-Off der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gegründet und will die Möglichkeiten des Quantencomputing für industrielle Anwendungen erschließen. Gemeinsam mit SAP, BASF und der LMU engagieren sich die Münchner im Verbundvorhaben QuCUN (Quantum Computing User Network) bei der Entwicklung eines offenen Quantencomputing-Ökosystems für Deutschland. Seit dem Börsengang am Juli ist die Aktie auf aktuell 13,40 EUR geklettert, der Börsenwert liegt damit bei 34 Mio. EUR.
Davigo will wachsen und die Börse aktiv nutzen
Am 19. Mai betrat die Davigo AG erstmals das Parkett. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg bezeichnet sich als Beteiligungsgesellschaft und investiert mit zwei regelbasierten Investmenttechnologien in verschiedene Anlageklassen. Das System „David“ generiert Kauf- und Verkaufssignale für börsennotierte Unternehmen, mit dem Programm „Goliath“ analysiert die Gesellschaft nun auch Investitionsmöglichkeiten in der Private Equity-Welt, vorzugsweise Start-ups und Spin-offs. Die Hauptversammlung am 31. Juli hat nicht nur ein genehmigtes Kapital geschaffen, sondern auch eine Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen um bis zu 4,7 Mio. EUR beschlossen – das entspricht rund dem Zweieinhalbfachen des bestehenden Grundkapitals. Auf Basis der aktuellen Aktienzahl vor Eintragung der Kapitalerhöhung liegt der Börsenwert bei rund 3 Mio. EUR. Davigo hat sich einiges vorgenommen: Das Unternehmen strebt eine Notiz im Düsseldorfer Primärmarkt an. Die damit verbundene Handelbarkeit auf Xetra soll die Aktie attraktiver machen. Die nächste Kapitalerhöhung ist bereits vorgezeichnet.
Fazit
Der Kapitalmarkt ist ein Auf und Ab. Als Plattformbetreiber kann die Börse Düsseldorf an ihrer Attraktivität und ihren Rahmenbedingungen arbeiten, gegen das allgemeine Umfeld aber kann auch sie sich nicht stemmen. Auf ein üppiges 2025 folgt ein bislang eher mageres 2026. Immerhin bereichern drei junge Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen den Kurszettel. Und irgendwann kommen auch wieder Zeiten mit lebhafteren Aktivitäten bei den Erstnotizen – wie auch das Bett des Rheins sich wieder mit Wasser füllen wird.


